„Count­down Bre­x­it“: Fried­rich Merz zu Gast bei der IHK

Wulf-Chris­ti­an Ehrich (stellv. Haupt­ge­schäfts­füh­rer der IHK zu Dort­mund), Staats­se­kre­tär Chris­toph Dam­mer­mann, Heinz-Her­bert Dust­mann (Prä­si­dent der IHK zu Dort­mund) und Fried­rich Merz (Foto: Oli­ver Scha­per)

Der Bre­x­it ist erst­mal auf­ge­scho­ben, aber nicht auf­ge­ho­ben: Statt am 29. März wird das Ver­ei­nig­te König­reich von Groß­bri­tan­ni­en und Nord­ir­land frü­hes­tens am 12. April die Euro­päi­schen Uni­on ver­las­sen. Doch es blei­ben nach wie vor Fra­ge­zei­chen ange­sichts der Fol­gen für Wirt­schaft und Ver­brau­cher. Das Minis­te­ri­um für Wirt­schaft, Inno­va­ti­on, Digi­ta­li­sie­rung und Ener­gie des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len (NRW) sowie die Indus­trie- und Han­dels­kam­mern (IHK) in NRW haben am Frei­tag, 22. März 2019, einen Tag nach dem EU-Gip­fel, in die IHK zu Dort­mund zum „Count­down Bre­x­it“ ein­ge­la­den. Vor mehr als 100 inter­es­sier­ten Gäs­ten erör­ter­ten Ver­tre­ter aus Poli­tik und Wirt­schaft nach einem Impuls­vor­trag von Fried­rich Merz, Bre­x­it-Beauf­trag­ter der NRW-Lan­des­re­gie­rung, die aktu­el­le Lage.

„Aus heu­ti­ger Sicht müs­sen wir uns auf einen Auf­schub ein­stel­len. Aber ein Auf­schub ist kei­ne Ant­wort auf die vie­len offe­nen Fra­gen“, eröff­ne­te Heinz-Her­bert Dust­mann, Prä­si­dent der IHK zu Dort­mund die Ver­an­stal­tung. „Für unse­re Unter­neh­men ist es wich­tig, end­lich wie­der Pla­nungs­si­cher­heit zu erhal­ten.“ Schon in den ver­gan­ge­nen zwei Jah­ren habe die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung auf bei­den Sei­ten des Ärmel­ka­nals gelit­ten, Inves­ti­ti­ons­ent­schei­dun­gen sei­en zurück­ge­stellt, Logis­tik­pro­zes­se ver­än­dert oder gar der Sitz von Nie­der­las­sun­gen ver­legt wor­den.

Fried­rich Merz führ­te mit einem Impuls­vor­trag in das The­ma ein (Foto: Oli­ver Scha­per)

Dies wer­de durch eine aktu­el­le Umfra­ge im Bezirk der IHK zu Dort­mund bestä­tigt. Dem­nach haben sich zwar 75 Pro­zent der Unter­neh­men mit dem The­ma Bre­x­it aus­ein­an­der­ge­setzt. Gut 40 Pro­zent haben ver­sucht, sich auf den Aus­tritt Groß­bri­tan­ni­ens aus der EU vor­zu­be­rei­ten, konn­ten aber nicht die kon­kre­ten Aus­wir­kun­gen auf ihr unter­neh­me­ri­sches Han­deln abschät­zen. Immer­hin ein Drit­tel der Unter­neh­men sieht sich gut vor­be­rei­tet. Davon hat die Hälf­te in Gesprä­chen mit Kun­den und Lie­fe­ran­ten die mög­li­chen Aus­wir­kun­gen ver­sucht zu klä­ren. Fast 24 Pro­zent wol­len ihre Lager­be­stän­de kurz­fris­tig auf­sto­cken und fast ein Drit­tel stellt sei­ne bis­he­ri­gen Wert­schöp­fungs- und Lie­fer­ket­ten auf den Prüf­stand, was durch­aus Chan­cen für neue Geschäfts­part­ner eröff­nen könn­te. Gefragt nach den beson­de­ren Risi­ken im Ver­ei­nig­ten König­reich nach einem Bre­x­it nen­nen 46 Pro­zent die Zoll­bü­ro­kra­tie, 34 Pro­zent die nicht tarifä­ren Han­dels­hemm­nis­se und 28 Pro­zent ganz all­ge­mein die recht­li­che Unsi­cher­heit. „Für die IHK-Orga­ni­sa­ti­on ist im Tages­ge­schäft der Bre­x­it Rea­li­tät. Täg­lich – und das schon seit Mona­ten – errei­chen uns Anfra­gen von Unter­neh­men, die wis­sen wol­len, auf was sie sich ein­stel­len müs­sen. Die Bre­x­it-Check­lis­te der IHK-Orga­ni­sa­ti­on ist dabei sehr hilf­reich“, stell­te IHK-Prä­si­dent Dust­mann fest.

Staats­se­kre­tär Chris­toph Dam­mer­mann beton­te in sei­nem Gruß­wort: „Gemein­sam mit unse­ren Part­nern tun wir alles, um die nord­rhein-west­fä­li­sche Wirt­schaft best­mög­lich auf jedes Bre­x­it-Sze­na­rio vor­zu­be­rei­ten. Wir wol­len die Risi­ken mini­mie­ren, aber auch die sich bie­ten­den Chan­cen nut­zen, zum Bei­spiel beim Stand­ort­mar­ke­ting. Egal, wie die poli­ti­sche Kri­se um den EU-Aus­tritt am Ende über­wun­den wird: Das Ver­ei­nig­te König­reich bleibt unser Freund und einer unse­rer wich­tigs­ten Han­dels­part­ner. Des­halb haben wir mit der bri­ti­schen Sei­te ver­ein­bart, dass wir gera­de bei Zukunfts­the­men wie künst­li­cher Intel­li­genz eng zusam­men­ar­bei­ten, um Akteu­re aus Nord­rhein-West­fa­len und dem Ver­ei­nig­ten König­reich zu ver­net­zen.“

In sei­nem Impuls­vor­trag erläu­ter­te der Bre­x­it-Beauf­tra­ge der NRW-Lan­des­re­gie­rung Fried­rich Merz den nun­mehr vor­ge­se­he­nen Zeit­plan, der eine end­gül­ti­ge Ent­schei­dung der bri­ti­schen Regie­rung bis zum 12. April 2019 vor­sieht. „Ich gehe davon aus, dass die bri­ti­sche Regie­rung und das bri­ti­sche Unter­haus kei­nen Bre­x­it ohne Ver­trag ris­kie­ren. Damit wird der Aus­tritt Groß­bri­tan­ni­ens aus der Euro­päi­schen Uni­on nach mei­ner Ein­schät­zung spä­tes­tens bis zum Tag der Euro­pa­wahl mit einem Ver­trag statt­fin­den. Die­ser Ver­trag sieht vor, dass die Regeln des Bin­nen­markts für Groß­bri­tan­ni­en auch nach dem Aus­tritt fort­gel­ten und die­se inner­halb einer Über­gangs­frist, die bis maxi­mal zum 31.12.2022 andau­ert, durch einen Han­dels­ver­trag zwi­schen der Euro­päi­schen Uni­on der 27 und Groß­bri­tan­ni­en abge­löst wer­den. Wenn die­ser Zeit­plan so beschlos­sen wird, gibt es zwar für die Unter­neh­men, die im Han­del mit Groß­bri­tan­ni­en aktiv sind, ‚Ent­war­nung‘. Es bleibt aber eine Unsi­cher­heit im Hin­blick auf die zukünf­ti­gen Han­dels­be­zie­hun­gen bestehen, die von einem neu­en Ver­trag zwi­schen Groß­bri­tan­ni­en und der EU der 27 abhän­gig sind. Blei­ben wir aber auch hier opti­mis­tisch, dass es einen sol­chen Ver­trag gibt und dass es in Zukunft wei­ter einen guten wirt­schaft­li­chen Aus­tausch mit dem Ver­ei­nig­ten König­reich geben kann. Gleich­wohl gilt: Die­ser Weg ist nur der zweit­bes­te, der Ver­bleib Groß­bri­tan­ni­ens in der Euro­päi­schen Uni­on wäre zwei­fel­los für bei­de Sei­ten der bes­se­re geblie­ben.“

Im Anschluss dis­ku­tier­ten unter der Gesprächs­lei­tung von Wulf-Chris­ti­an Ehrich, stell­ver­tre­ten­der Haupt­ge­schäfts­füh­rer der IHK zu Dort­mund, Fried­rich Merz, Jochen Pött­gen, Lei­ter der Regio­nal­ver­tre­tung der Euro­päi­scher Kom­mis­si­on in Bonn, Rafe Cou­ra­ge, Bri­ti­scher Gene­ral­kon­sul in Düs­sel­dorf, Alex­an­der Hoeck­le, Feder­füh­rer Inter­na­tio­nal der IHKs in NRW, Horst Kott­mey­er, Geschäfts­füh­ren­der Gesell­schaf­ter der Kott­mey­er GmbH & Co. KG, Int. Spe­di­ti­on sowie Vor­sit­zen­der Ver­band Ver­kehrs­wirt­schaft und Logis­tik NRW e.V. die aktu­el­len Ent­wick­lun­gen und stell­ten sich den Fra­gen der Gäs­te.